Gatka

Gatka

Gatka ist eine nordindische Kampfkunst, die von den Sikhs praktiziert wird. Es basiert auf dem Grundprinzip Verstand, Körper und Geist zu harmonisieren. Die meisten Sikhs waren ursprünglich Bauern, die in der Lage sein mußten, sich mit einfachen Gegenständen, auch aus dem Alltag, zu verteidigen. Die Grundlage für Gatka war die indische Kampfkunst Shastar Vidya (Shastar = Waffe, Vidya = Essenz/Kunst). Die Ursprünge reichen 7000 Jahre zurück. Shasta Vidyaa entwickelte sich ebenfalls aus den altindischen Traditionen wie Ayurveda oder – Yoga. Gatka ist eine der 64 Künste der alten vedischen Kultur- und Philosophietradition. Anders als bei verwandten Kampfkünsten hat Gatka einen starken Bezug auf den weiblichen Teil in uns (Chandi), dessen Kraft und Geschicklichkeit fast tänzerisch in anmutigen, fließenden Bewegungen zum Ausdruck kommt.

Die Sikhs waren für ihre Kampfkunst bekannt. Sie verbanden Gatka mit spirituellen Praktiken. Trainiert werden beim Gatka Gleichgewicht, Rhythmus, Atmung und Meditation. Rechtshänder werden links geschult und umgekehrt – der Ausgleich der Gehirnhälften. Wer Gatka regelmäßig übt, erhält einen ausdauernden und beweglichen Körper und einen Geist, der auf das Hier und Jetzt fokussiert ist.

Ustad Nanak dev Singh Khalsa zu Pferde

ÜBUNGEN

Kal Thui (Einführungs-Mantra)

Kali Thui
Thui teg ar teer
Thui nishane jeet ki
Aaj tuhi jug veer

Einfaches Pentra (auch: einfaches Pantra)

Das einfache Pantra ist eine Koordinations- und Gleichgewichtsübung. Man lernt, mit der Erde zu kämpfen, nicht gegen sie. Es ist die Grundlage von Gatka. Es ist immer wichtig, egal, wie gut man Gatka beherrscht.

Das einfache Pentra hat viele positive Aspekte. Die koordinierte Bewegung von Händen und Füßen bringt die wichtigsten Meridiane von Körper und Geist ins Gleichgewicht. Dieser Ausgleich beeinflusst die linke und rechte Gehirnhälfte, was zu einem Meditationszustand führt, der auch neutraler Geist genannt wird. Der ideale geistige Zustand für unsere Übungen ist der neutrale Geist.

Wenn man länger übt, wird man feststellen, dass die rechte und linke Hand gleichermaßen und gleichzeitig benutzt werden. Dies erfordert und traininert eine gewisse Geschicklichkeit mit beiden Händen. Die Leistungsfähigkeit der linken und rechten Hemisphäre nimmt zu, was für die Entwicklung von Überlebensfähigkeiten einen Vorteil bedeutet.

Es ist eine weitere faszinierende Eigenschaft des einfachen Pantras, dass dadurch der Gleichgewichtssinn wieder ausgerichtet werden kann, indem dadurch die empfindliche Verbindung zwischen dem Magnetfeld der Erde und dem des Einzelnen wieder hergestellt wird. Das Wissen darum gibt uns das höchste Gleichgewicht im Gatka. Wird einfaches Pantra immer wieder geübt, wird man sensibler gegenüber dieser spezifischen menschlichen Gabe. Pantra heißt wörtlich: „Etwas, das solange geübt werden muss, bis es beherrscht wird.“

Pantra ist das Kernstück der Gatka-Bewegungen. Wenn es täglich geübt wird, zeigt diese einfache Bewegung in vier Schritten großen Nutzen. Nach einiger Zeit, wenn es besser beherrscht wird und die Wirkung deutlicher zu merken ist, wird Pantra der Mittelpunkt des Übens werden.

Stock-Pentra (auch: Stock-Pantra)

Einfaches Pantra wird noch kraftvoller, wenn es mit einem Stock, dem Soti, durchgeführt wird. Es gibt zwei Angriffs- und zwei Verteidigungsbewegungen, die im Stock-Pantra abgedeckt werden. Es wird mit der rechten und der linken Hand durchgeführt.

Pantra mit zwei Stöcken

Zu den kraftvollsten Techniken im Gatka gehört die Verwendung von zwei Waffen. Das können zwei gleiche Waffen sein, wie zwei Stöcke (z.B. Sotis) oder verschiedene, wie ein Schwert und ein Dolch. Der Gebrauch zweier Waffen schafft einen Schutzschild für den ganzen Körper, der so gut wie undurchdringlich ist. Die Grundbewegungen des Pantra, Maroaara, Front Flick und Chungii können jeweils rechts und links gleichzeitig ausgeführt werden.

Maroaara

Maroaara wird die ständig schwingende Bewegung des Stocks genannt, die den unteren Körperbereich vor Angriffen schützt. Es ist gleichzeitig eine Angriffs- und eine Verteidigungsbewegung. Bei der Bewegung nach vorne wird angegriffen, normalerweise ist der Angriff auf den Kopf oder den Hals eines Gegners gerichtet. Wegen der Schnelligkeit und Kraft der Bewegung ist sie beim Übungskampf verboten. Sie kann stehend ausgeführt werden, wird aber meist mit einem watschelnden Gang verbunden. Sie wird mit der rechten und der linken Hand ausgeführt.

Maroaara mit zwei Stöcken

Durch die Bewegung wird der Körper unterhalb der Taille vollständig geschützt. Man kann mit dem Gebrauch von zwei Stöcken einen Bereich um sich herum schaffen. Eine Hand führt den Stock oder Schwert vorne, während gleichzeitig die andere Hand den Körper hinten schützt.

Front Flick

Die Front Flick Bewegung wird normalerweise stehend ausgeführt. Sie schützt den vorderen Körperbereich. Mit dieser ausgleichenden Bewegung kann man durch eine Menge von Angreifern hindurchgehen. Sie wird mit der rechten und der linken Hand ausgeführt.

Front Flick mit zwei Stöcken

Zwei Stöcke verstärken die ausgleichenden und schützenden Fähigkeiten. Wird man in einer Kampfposition niedergeschlagen, kann mit der Front Flick Bewegung mit zwei Stöcken der obere Körperbereich verteidigt werden. Mit dem Gebrauch von zwei Stöcken kann ein kraftvoller Bereich vor dem Körper geschaffen werden.

Chungji Escape

Durch diese Bewegung kann der Kämpfer fliehen und sich gleichzeitig gegen eine Menge verteidigen. Es bedeutet: „Springen wie ein Reh“. Für Chungii Escape ist Genauigkeit notwendig und das Wissen darum, wo der Körper sich im Raum befindet. Der Chungji Escape wird durch gleichzeitige Bewegungen von Arm und Knie, das zur Vorbereitung gebeugt wird, begonnen

Chungji Escape mit zwei Stöcken

Wie andere Bewegungen mit zwei Stöcken, sieht auch Chungii Escape mit zwei Stöcken eindrucksvoll aus. Durch den Schwung, der durch die beiden  Stöcke entsteht, kann ein unerwartet hoher Sprung entstehen. Es ist eine sehr kraftvolle Verteidigungsmethode.

Tanz des Schwertes

Wenn man alle die hier beschriebenen Bewegungen gut beherrscht, können sie miteinander verbunden werden. Das Ziel dabei ist, an jedem Ort und zu jeder Zeit in einer extrem feindseligen Umgebung wie z. B. einem Schlachtfeld, sich selbst zu verteidigen, sich zu bewegen und anzugreifen. Der Tanz mit dem Schwert kann viel über Schwung und den Energiefluss lehren, wenn er durch den Rhythmus einer Nagara (Kriegstrommel) begleitet wird. Durch den Tanz fühlt man sich sehr gut. Es macht viel Spaß. Man kann ihn mit ein oder zwei Schwertern oder mit einer beliebigen Kombination von Waffen durchführen.

Nine Hit Pentra

Mit einer Gatka-Waffe kann auf 33 verschiedene Körperbereiche gezielt werden. Acht davon sind Hauptpunkte. Den acht Hauptpunkten entsprechen acht Schläge oder Angriffe und acht Abwehr- oder Verteidigungs-bewegungen. Jeder Schlag hat eine Abwehr und wenn diese korrekt ausgeführt werden, ist der gesamte Körper vor einem Angriff geschützt. Für jede Waffe gibt es Abweichungen für die Nine Hits.

Camp 2013 – Double Stick Nine Hit Penta

Schwertmeditation
(von Ustad Nanak Dev Singh Khalsa)

Seit Jahrhunderten wurde das Schwert von den Menschen als Symbol seiner
Macht verehrt. Erst der Sikh Guru Hargobind offenbarte ein tieferes Verständnis davon. Er lehrte, dass das Schwert sowohl ein Symbol der zeitlichen als auch der spirituellen Macht war. Eine nähere Beschreibung gab Guru Gobind Singh: „Gott formte das gesamte Universum mit seinem Schwert“. Daher wird das Schwert als Urkraft des Universums angesehen.

Die Akali Nihang Singhs verehren das Schwert als Erscheinungsform von Gottes Macht. Durch die Schwertmeditation wird uns deren Segen gewährt. Und durch sie wird ihre unermessliche Kraft zum Gesetz, das unsere Gedanken und Handlungen leitet.

Die Energie des Schwertes wird Shakti genannt. Sie ist eine zyklische Energie von 2 ½. Diese ist die regulierende Kraft auf der physischen Ebene. Das Geheimnis der Schwertmeditation bedeutet die Beherrschung aller Aspekte der physischen Wirklichkeit.

Zum Zeitpunkt der Erschaffung befand sich der Schöpfer in einem tiefen Zustand der Meditation. Jedes Teilchen des Universums wurde durch diese Meditation mit dem Schwert gestaltet. Durch die Schwertmeditation gewährt der Schöpfer seinen Lebewesen die Macht der Schöpfung.

Jede Tat, unabhängig von ihrer Bedeutung oder ihrem vordergründigen Wert, ist ein Akt der Schöpfung. Jede Handlung wird zu einer Kriya (einem vollständigen und ausgewogenen Zyklus), jede Bewegung ein Mudra (eine Haltung, die eine bestimmte Energie zum Ausdruck bringt), jeder Gedanke eine Meditation. Der Schöpfer und die Schöpfung sind vereinigt in der Handlung, das ist Shakti Yoga.

Die Freude und die Feier dieses Moments der Meditation werden ausgedrückt in dem Mantra: ”Wahe Guru Wahe Guru Wahe Guru“.